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Kommunale Bäder: Kosten senken beginnt beim Wasser

Chlorgeruch gilt vielen Badegästen noch immer als Zeichen gründlicher Desinfektion. Tatsächlich weist er eher darauf hin, dass die Wasseraufbereitung stärker gefordert ist. Für kommunale Bäder ist genau dieser technische Kreislauf ein Schlüssel: Er entscheidet über Hygiene, Komfort und einen erheblichen Teil der Betriebskosten.

Wer über öffentliche Schwimmbäder spricht, landet schnell bei Haushaltsfragen. Bau, Sanierung, Personal, Energie und Chemie belasten kommunale Budgets. Gleichzeitig werden Bäder gesellschaftlich wichtiger. In heißen Sommern sind sie Rückzugsräume, für Sportvereine Trainingsort, für Familien Freizeitangebot und für viele Menschen einer der wenigen niedrigschwelligen Orte, an denen sehr unterschiedliche Gruppen zusammenkommen.

Diese soziale Funktion ändert nichts daran, dass ein Bad wirtschaftlich tragfähig geplant werden muss. Gerade deshalb beginnt Kostendisziplin nicht erst im laufenden Betrieb. Sie entsteht in der Konzeptphase: bei der Frage, welcher Bedarf realistisch besteht, welche Mittel verfügbar sind und welche Technik den Betrieb über Jahre stabil halten kann. Bei einem schlüssigen Gesamtkonzept lassen sich nach den vorliegenden Angaben deutlich mehr als 50 Prozent der Kosten einsparen.

Foto: Tom Philippi
Foto: Tom Philippi

Das Becken gibt die Technik vor

In der Planung steht das Becken nicht isoliert im Raum. Seine Fläche und Tiefe bestimmen, welche Wassermenge später aufbereitet, bewegt, erwärmt und hygienisch gesichert werden muss. Auch die Form wirkt in die Technik hinein. Ein rechteckiges Becken stellt andere Anforderungen an die Wasserverteilung als ovale oder polygonale Geometrien.

Noch stärker prägt die Nutzung das System. Schwimmerbecken, Nichtschwimmerbereich, Planschbecken oder Warmwasserbecken benötigen unterschiedliche hydraulische Lösungen. Daraus folgen Pumpenleistung, Rohrdimensionierung, Filtrationsgröße und Zahl der Einlaufdüsen. Die spätere Betriebskostenstruktur wird damit früh festgelegt, lange bevor die erste Eintrittskarte verkauft wird.

Bei Sanierungen kann deshalb der Austausch älterer Technik sinnvoll sein, selbst wenn er zunächst Investitionen auslöst. Wirtschaftlichere Anlagen können den Weiterbetrieb sichern und sich mittelfristig amortisieren. Entscheidend ist dabei nicht der einzelne Apparat, sondern das Zusammenspiel der Komponenten.

Foto: Tom Philippi
Foto: Tom Philippi

Normen setzen den Rahmen

Für öffentliche Schwimmbäder ist die technische Planung eng mit Sicherheitsanforderungen verbunden. Die DIN EN 15288-1 behandelt sicherheitstechnische Anforderungen an Planung und Bau. Ihr Spektrum reicht von Zugängen und Raumprogramm über rutschhemmende Bodenbeläge bis zu SHK-Installationen, Beleuchtung und Akustik.

Den Betrieb nimmt die DIN EN 15288-2 in den Blick. Sie umfasst Gefahrenabwehr, Sicherheitsmanagement, betriebliche Abläufe, Wasseraufsicht, den Umgang mit Chemikalien und die Kontrolle der physikalischen, chemischen und mikrobiologischen Beckenwasserqualität.

Für die Wasseraufbereitung ist die DIN EN 19643-1 maßgeblich. Sie beschreibt unter anderem Filtration, Desinfektionsanlagen, pH-Korrektur, Säurekapazität und automatisch geregelte Dosierungen. Damit wird klar: Hygiene ist im Bad kein nachgelagerter Kontrollpunkt, sondern ein dauerhaft geregelter Prozess.

Auch das Infektionsschutzgesetz setzt den Maßstab. Nach § 37 muss Wasser in öffentlichen Bädern so beschaffen sein, dass beim Schwimmen oder Baden keine gesundheitliche Schädigung, insbesondere durch Krankheitserreger, zu erwarten ist. Bei Schwimm- und Badebecken muss die Aufbereitung demnach eine Desinfektion einschließen.

Foto: Tom Philippi
Foto: Tom Philippi

Wasseraufbereitung als Kostenhebel

Sobald ein Bad in Betrieb geht, verschiebt sich der Blick. Baukosten sind dann weitgehend entschieden, laufende Kosten aber fallen täglich an. Besonders ins Gewicht fallen Energie und Personal, hinzu kommen Instandhaltung sowie Hilfs- und Betriebsstoffe. Genau hier zeigt sich, ob die Planung technisch sauber war.

Die Wasseraufbereitung lässt sich als geschlossener Kreislauf verstehen, der nur für Filterspülungen und das anschließende Nachfüllen geöffnet wird. Das Beckenwasser läuft über die Überlaufrinne in einen Wasserspeicher. Anschließend wird ein Flockungsmittel dosiert, damit kleinste Verunreinigungen gebunden und filtrierbar werden.

Die Filtration ist der kritische Abschnitt dieses Kreislaufs. Je mehr Stoffe dort entfernt werden, desto geringer fällt der Bedarf an chemischer Desinfektion aus. Das wirkt sich auf Hygiene, Geruch, Haut- und Augenverträglichkeit sowie auf die Betriebskosten aus.

Als bewährte Lösungen werden Mehrschichtfilter und Unterdruckfilter beschrieben, die im Saugfiltrationsverfahren arbeiten und eine Filterschicht aus Hydroanthrasit nutzen. Dieses Material ähnelt in seiner Wirkung Aktivkohle und kann Geruchs- und Geschmacksstoffe zurückhalten, darunter auch gebundenes Chlor. Gerade dieses gebundene Chlor ist für den typischen Schwimmbadgeruch verantwortlich. Geruchsarmes Wasser ist deshalb kein Zeichen mangelnder Desinfektion, sondern eher ein Hinweis auf eine wirksame Aufbereitung.

Foto: Tom Philippi
Foto: Tom Philippi

Nach der Filtration wird das Wasser über einen Plattenwärmetauscher wieder auf Temperatur gebracht. Danach folgen Desinfektion und pH-Regulierung. Der pH-Wert sollte stabil zwischen 7,0 und 7,2 liegen. In diesem Bereich ist die Anlage gut vor Korrosion geschützt, zugleich erreicht das Desinfektionsmittel seinen höchsten Wirkungsgrad.

Für öffentliches Beckenwasser ist eine Depotwirkung des Chlors vorgeschrieben. Die Konzentration an freiem Chlor muss zwischen 0,3 und 0,6 Milligramm pro Liter liegen, bei Whirlpools zwischen 0,7 und 1,0 Milligramm pro Liter. Eine weitere Messgröße ist die Redoxspannung. Sie zeigt indirekt den Verschmutzungsgrad des Wassers an: Desinfektionsmittel erhöht den Wert, Verunreinigungen senken ihn. Ab mindestens 750 Millivolt deutet der Wert auf eine hohe Abtötungsgeschwindigkeit hin.

Chlor bleibt damit ein zentrales Mittel der Desinfektion. Beschaffung, Transport, Lagerung und Anwendung sind jedoch aufwendig. Erforderlich sind geeignete Lagerräume und geschultes Personal. Daraus entstehen bauliche Anforderungen und zusätzlicher Personalbedarf.

Foto: Tom Philippi
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Eine Alternative ist das Salz-Elektrolyseverfahren nach DIN EN 17818. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung empfiehlt dessen Anwendung nach den Angaben im Ausgangsmaterial, wo immer dies möglich ist. Bei diesem Verfahren werden Salz und Wasser elektrolysiert. Dabei entstehen Chlorverbindungen, die auch für Trinkwasser zugelassen sind. Die Anlage erzeugt vor Ort nur die jeweils benötigte Menge des Desinfektionsmittels. Bevorratet werden muss vor allem Salz, dessen Lagerung und Handhabung deutlich unproblematischer ist.

Damit wird die technische Leitfrage kommunaler Bäder greifbar. Es geht nicht um möglichst viel Technik, sondern um richtig abgestimmte Technik. Wer Beckenhydraulik, Filtration, Wärmerückführung, Desinfektion, pH-Regelung und digitale Mess- und Regeltechnik früh zusammendenkt, verbessert die Chancen auf einen hygienischen, komfortablen und wirtschaftlicheren Betrieb. Planung ist in diesem Bereich kein Vorlauf zum eigentlichen Projekt. Sie ist der Ort, an dem die späteren Kosten entstehen oder vermieden werden.